Die Diskussion um LaVita zeigt, wie schwer es geworden ist,
zwischen Werbung, Kritik und wissenschaftlichen Fakten zu unterscheiden. Ein
sachlicher Blick darauf, was Nahrungsergänzung leisten kann – und was nicht.
Von Sabine Jechow · IAM Naturheilpraxis
Vitamine brauchen wir. Mineralstoffe
brauchen wir. Spurenelemente ebenfalls. Darüber besteht kein Zweifel.
Schwieriger wird die Frage, ob wir sie zusätzlich als Nahrungsergänzung
benötigen. Genau darüber wird derzeit heftig diskutiert. Besonders das Mikronährstoffkonzentrat
LaVita geriet 2026 in die Kritik der Verbraucherorganisation foodwatch und
erhielt deren Negativpreis „Goldener Windbeutel“. foodwatch kritisiert unter
anderem Preis, Gesundheitswerbung und die Darstellung des Produkts. Der
Negativpreis ist jedoch keine behördliche oder wissenschaftliche Feststellung,
dass LaVita gesundheitsschädlich oder wirkungslos sei. Für Verbraucher lohnt
deshalb ein genauerer Blick.
Was steckt
tatsächlich in LaVita?
LaVita ist weder einfach ein
Multivitaminpräparat noch ausschließlich ein natürlicher Obst- und Gemüsesaft.
Nach Herstellerangaben besteht das Konzentrat zu einem großen Teil aus
Fruchtsaftkonzentrat; hinzu kommen unter anderem Gemüsebestandteile, Pflanzen-
und Kräuterextrakte sowie Pflanzenöle. Gleichzeitig werden gezielt Vitamine und
Mineralstoffe zugesetzt.
Damit haben beide Seiten einen Punkt: Das
Produkt enthält zahlreiche pflanzliche Zutaten. Ebenso richtig ist aber, dass
die verlässlich ausgewiesenen Mikronährstoffmengen nicht ausschließlich aus
Obst, Gemüse und Kräutern stammen. Wer glaubt, sämtliche angegebenen Vitamin-
und Mineralstoffmengen kämen allein aus den Pflanzen, bekäme deshalb ein
falsches Bild.
Brauchen
wir überhaupt Nahrungsergänzung?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung
betont: Gesunde Menschen, die sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren,
sind in der Regel ausreichend mit essenziellen Nährstoffen versorgt.
Nahrungsergänzung ist für sie grundsätzlich nicht erforderlich. Eine ungünstige
Ernährung lässt sich auch nicht einfach durch ein Vitaminpräparat ausgleichen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass
Nahrungsergänzung grundsätzlich unsinnig ist. Bestimmte Lebenssituationen,
Ernährungsformen, Erkrankungen, Medikamente oder ein nachgewiesener Mangel
können den individuellen Bedarf verändern. Entscheidend ist daher nicht die
pauschale Frage „gut oder schlecht?“, sondern: Braucht dieser Mensch diese
Ergänzung – und wenn ja, welche und wie viel?
Mehr
bedeutet nicht automatisch besser
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, die
Referenzmenge eines Vitamins mit einer Sicherheitsgrenze zu verwechseln. 100
Prozent des Nährstoffbezugswertes bedeuten nicht, dass 101 Prozent bereits
gefährlich wären. Umgekehrt bedeutet eine höhere Dosierung auch nicht
automatisch einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung
weist darauf hin, dass hohe zusätzliche Mengen bestimmter Vitamine und
Mineralstoffe das Risiko einer Überversorgung erhöhen können. Für die
Beurteilung sind der einzelne Nährstoff, die Gesamtdosis aus Ernährung und
allen Präparaten sowie individuelle Faktoren entscheidend.
foodwatch weist bei LaVita darauf hin, dass
mehrere enthaltene Nährstoffe bereits mit einer Tagesportion über den
Referenzmengen liegen. Das ist zunächst eine Feststellung zur Höhe gegenüber
dem Referenzwert – nicht automatisch der Nachweis einer gesundheitlich
bedenklichen Überdosierung. Ebenso wäre es aber falsch zu folgern, eine Menge
sei für jeden sinnvoll, nur weil sie unter einer tolerierbaren Obergrenze
liegt.
Und die
vielen Pflanzen?
Obst, Gemüse, Kräuter und Pflanzenöle
enthalten weit mehr als klassische Vitamine und Mineralstoffe. Sie liefern
unter anderem sekundäre Pflanzenstoffe und weitere natürliche Inhaltsstoffe.
Ein Konzentrat ersetzt dennoch keine abwechslungsreiche Ernährung. Ein Apfel
ist mehr als Vitamin C, Brokkoli mehr als Folat und eine Handvoll Nüsse mehr
als Vitamin E.
Lebensmittel liefern Nährstoffe eingebettet
in eine komplexe Lebensmittelmatrix – einschließlich Ballaststoffen und einer
Vielzahl pflanzlicher Verbindungen. Nahrungsergänzung kann deshalb ergänzen,
aber die Vielfalt echter Lebensmittel nicht ersetzen. Das steckt bereits im
Namen: Nahrungs-Ergänzung.
5 FAKTEN ZU
NAHRUNGSERGÄNZUNG
• Medikamente,
Erkrankungen und weitere Präparate gehören in die Gesamtbetrachtung.
• Ergänzungen
können bei individuellem Bedarf sinnvoll sein.
• Mehr
Mikronährstoffe bedeuten nicht automatisch mehr Gesundheit.
• Referenzwert
und Sicherheits-Höchstgrenze sind nicht dasselbe.
• Ausgewogene
Ernährung bleibt die wichtigste Grundlage.
Was sagt
die Forschung über Multivitamine?
Große wissenschaftliche Bewertungen liefern
bislang keinen überzeugenden Beleg dafür, dass die routinemäßige Einnahme von
Multivitaminpräparaten bei grundsätzlich gesunden, ausreichend versorgten
Erwachsenen zuverlässig Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs verhindert. Die
U.S. Preventive Services Task Force bewertet die Evidenz für eine generelle
Empfehlung zur Prävention als nicht ausreichend.
Ein wichtiger Unterschied wird dabei oft
übersehen: „Ein Vitamin erfüllt wichtige Funktionen im Körper“ bedeutet nicht
automatisch: „Zusätzlich eingenommen macht dieses Vitamin einen bereits
ausreichend versorgten Menschen gesünder.“
Ist LaVita
zu teuer?
Eine 500-Milliliter-Flasche kostet laut
Hersteller derzeit 50 Euro. Bei zehn Millilitern pro Tag entspricht das 50
Tagesportionen beziehungsweise einem Euro pro Tag. Ob einem ein solches Produkt
diesen Betrag wert ist, ist zunächst eine persönliche wirtschaftliche
Entscheidung.
foodwatch hält den Preis im Verhältnis zur
Zusammensetzung für zu hoch. LaVita verweist dagegen auf die Vielzahl der
Rohstoffe, Verarbeitung, Qualitätskontrollen und die Kombination mit
definierten Mikronährstoffmengen. Ein Literpreis allein ist bei einem
Konzentrat wenig aussagekräftig; sinnvoller ist der Preis pro Tagesportion.
Umgekehrt macht ein Preis von „nur einem Euro am Tag“ ein Produkt noch nicht
medizinisch notwendig.
Weder
Wundermittel noch Unsinn
Eine ausgewogene Ernährung bleibt die
Grundlage einer guten Nährstoffversorgung. Kein Mikronährstoffkonzentrat kann
Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, hochwertige Fette und
eine insgesamt vernünftige Lebensweise ersetzen.
Nahrungsergänzung kann dennoch ihren Platz
haben – nicht als Freibrief für schlechte Ernährung und nicht mit dem
Versprechen, Krankheiten zu verhindern oder zu heilen, sondern dort, wo
Ernährung und individuelle Versorgung sinnvoll ergänzt werden sollen.
Auch LaVita sollte nach diesem Maßstab
betrachtet werden. Es ist ein Lebensmittelkonzentrat aus zahlreichen
pflanzlichen Bestandteilen und gezielt zugesetzten Mikronährstoffen. Es ist
kein Medikament. Es ist kein Ersatz für gesunde Ernährung. Und aus der
derzeitigen wissenschaftlichen Datenlage lässt sich keine Notwendigkeit für
jeden gesunden Menschen ableiten.
Wer es verwendet, sollte wissen, was darin
enthalten ist, warum er es einnimmt und welche weiteren Nahrungsergänzungen
oder Medikamente gleichzeitig verwendet werden. Gerade bei Erkrankungen,
Schwangerschaft, regelmäßiger Medikamenteneinnahme oder zusätzlicher
Supplementierung ist eine individuelle fachliche Abklärung sinnvoll.
Vielleicht ist deshalb weder ein
Werbeslogan noch eine Negativschlagzeile der beste Ratgeber. Die sinnvollere
Frage lautet: Was braucht mein Körper tatsächlich – und was bekommt er bereits
über meine Ernährung und meinen Lebenswandel?
Quellen (Auswahl): Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE),
Informationen zu Nahrungsergänzungsmitteln; Bundesinstitut für Risikobewertung
(BfR), Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe;
Verbraucherzentrale, Informationen zur richtigen Verwendung von
Nahrungsergänzungsmitteln; U.S. Preventive Services Task Force, Vitamin-,
Mineralstoff- und Multivitamin-Supplementierung zur Prävention; foodwatch,
„Goldener Windbeutel 2026“ und Factsheet LaVita; LaVita GmbH, aktuelle
Zutaten-, Nährstoff- und Produktinformationen. Abruf: Oktober 2026.
Sabine Jechow / IAM Naturheilpraxis

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